Mittwoch, 30.09.2015, 13:00 - 18:00 Uhr

HIERONYMUSTAG 2015: Gläserner Übersetzer-Wettstreit

Am 30. September ist Hieronymustag, der internationale Übersetzertag – ein Fest für Übersetzer und Leser überall in der Welt.
Feiern Sie mit uns!
Schauen Sie zu, wie wir mit unseren Texten auf Reisen gehen: »Gläserne Übersetzer« nehmen Sie mit und zeigen Ihnen die abenteuerlichen Wege und Umwege von einer Sprache in die andere. Auf dem Bildschirm sehen Sie das Original und die vor Ihren Augen entstehende Übersetzung.
Sie sind herzlich eingeladen, zu fragen, zu ergänzen und zu kommentieren!

Programm

13 bis 14.30 Uhr: dieselbe Passage aus demselben Werk
Peter Klöss und Jutta Wurm übersetzen im Team die Werke der amerikanischen Autorin C.J. Daugherty, zuletzt die fünfbändige Reihe „Night School" (auf Deutsch 2012-2015 publiziert im Oetinger Verlag). Zurzeit arbeiten sie am ersten Band der Serie „Secret Fire", die ab 2016 erscheinen wird.
Normalerweise teilen sie den Text kapitelweise untereinander auf und lesen dann die Passagen des anderen gegen, bis nach mehrmaligem Hin und Her schließlich eine einheitliche Fassung entsteht, der man nicht mehr anmerken sollte, dass sie zwei Urheber hat.
Für den Übersetzer-Wettstreit haben sie sich etwas Besonderes überlegt: Ausnahmsweise nehmen sie sich ein und dieselbe Passage aus ihrer aktuellen Arbeit vor. Die Zuschauer können live miterleben, wer schnell arbeitet und wer langsam, wer wo verharrt, welche Wörterbücher und Hilfsmittel er/sie benutzt. Am Ende wird deutlich, wie individuell die Arbeitsweise ist, wie unterschiedlich der Stil. Nicht eine „richtige" und eine „falsche" Version entsteht, sondern zwei gleichermaßen gültige, die anschließend im Prozess des gegenseitigen Lektorierens zu einer endgültigen Version verbunden werden müssen, damit die Leser den Eindruck eines Werks aus einem Guss haben.

14.45 bis 16.15 Uhr: derselbe Text, einmal direkt und einmal über Umwege
Im Rahmen des indonesischen Gastlandprogramms zur Frankfurter Buchmesse 2015 werden indonesische Texte über den Umweg bereits vorliegender englischer Übersetzungen ins Deutsche übertragen und vom indonesischen Verlag btw books dreisprachig veröffentlicht. Der Grund ist banal: Es gibt nicht genügend professionelle Literaturübersetzer aus dem Indonesischen. Derlei „Umwege" über eine dritte, uns nähere Sprache kommen im deutschen Buchgeschäft übrigens häufiger vor, als man denkt; so wurden die deutschen Fassungen von „Gefährliche Geliebte" und anderen Werken des japanischen Autors Haruki Murakami aus dem Englischen erstellt. Übersetzen einer Übersetzung – kann das gut gehen?
Für den Übersetzer-Wettstreit nehmen sich Pauline Kurbasik und Sabine Müller eine Passage aus „The Spinner of Darkness / Die Spinnerin der Dunkelheit" der Indonesierin Intan Paramaditha vor, die eine in englischer Übersetzung, die andere direkt aus dem Indonesischen. Was geht bei dem Umweg über eine dritte Sprache verloren, wie viel vom Text und Stil des Originals lässt sich retten?

16.30 bis 18 Uhr: „Die Vermessung der Welt" aus zwei Sprachen rück-übersetzt
Zum Schluss ein reizvolles Experiment: Werke deutscher Schriftsteller werden erfreulich oft in andere, oft auch sehr fremde Sprachen übersetzt – aber kann ein Text diese Reise unbeschadet überstehen?
Larissa Bender und Heike Reissig rück-übersetzen eine Passage aus der arabischen bzw. englischen Fassung des Romans „Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann ins Deutsche. Wie viel von den deutschen Realia, die uns völlig natürlich erscheinen, lässt sich in andere Sprach- und Erfahrungsräume transferieren, wie viel geht notwendigerweise verloren? Wie gehen andere Sprachen, die weniger vielseitig sind als das Deutsche, mit stilistischen Besonderheiten eines Textes um, welche „Tricks" lassen sich ausmachen?

Um 19.30 Uhr geht es weiter mit der Veranstaltung „17.000 Inseln der Übersetzung", bei der es um die Literaturlandschaften des diesjährigen Buchmessen-Gastlands und um das Übersetzen indonesischer Literatur gehen wird.

Eine Veranstaltung der Weltlesebühne Köln in Zusammenarbeit mit der
Lengfeld'schen Buchhandlung und dem Literaturhaus.
Mit freundlicher Unterstützung der Robert-Bosch-Stiftung und des Kulturamts der Stadt Köln.

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